Heide-Ulrike Wendt | Autorin und Journalistin
Heide-Ulrike Wendt
Autorin & Journalistin


»Rudernde Hunde« (Rezension)

Von Elke Heidenreich (Autor), Bernd Schroeder (Autor)


Rezension: Heide-Ulrike Wendt

Das Buch heißt Rudernde Hunde, und in der ersten Geschichte dreht sich auch alles sofort um sie. Es ist Karneval, bitterkalt, und am Rosenmontag bittet ein Albert aus Paris seine einstige Herzallerliebste, mit ihrem neuen, er heißt Walter, in der Nacht um zwei Uhr drei unbedingt und pünktlich an den Orientexpress zu kommen. Er sei auf der Durchreise, nur eine Minute Aufenthalt, aber es wäre wahnsinnig wichtig. Das klingt dramatisch und die Erzählerin befürchtet, ihr ältester und bester Freund sei krank: »Er hat Schmerzen, Fieber, ihm ist schlecht.« Sie beginnt deshalb eine Tasche für ihn zu packen, mit Aspirin, Hustensaft, Hansaplast, blauer Wolldecke, heißem Tee in einer Thermoskanne und ihr Freund Walter sitzt daneben und sieht ihr maulend zu. Er geht dann auch nur mit zum Bahnhof, weil die Hunde (!) sowieso noch mal raus müssen.

Wie sich herausstellt, ist Albert mopsfidel, will nur die Durchreise nutzen, um der Erzählerin eine kleine Skulptur aus bemalter Bronze zu schenken, die er in Paris gefunden hat - zwei rudernde Hunde: »Der vordere heißt Fritz, der hintere Heinz. Wenn ihr genau hinguckt, seht ihr, dass Fritz mit der Frau von Heinz was hat, aber er denkt, Heinz wüsste es nicht. Heinz weiß es aber doch, und irgendwie passiert da bald was.«

Sie ist entzückt über diese Aktion, Walter findet sie albern. Und weil er so phantasielos ist, den Witz und Charme von Albert nicht begreift, wird er kurze Zeit später entsorgt. Walter heiratet, bringt seinem Sohn vielleicht »Sitz! Platz! Fuß!« bei und sie wartet auf den Tag, an dem Heinz dem vorn sitzenden Fritz mit dem Ruder eins drüberziehen würde.

Am Ende des Buches erzählt Bernd Schroeder seine Version der rudernden Hunde. Ein deutsch-deutsches Drama um die Zwillinge Harro und Hasso, die in den dreißiger Jahren die große sportliche Hoffnung im »Zweier ohne« sind und von ihrem Vater und einem Trainer, der vom strammen Nazi zum strammen Genossen wird, darauf gedrillt werden sollen, ihrer Nation zu Glanz und Gloria zu verhelfen. Zum Glück schaffen sie rechtzeitig den Absprung in das kleine Glück einer großen Familie.

Dazwischen reihen sich 17 kleine Geschichten von ihr, Elke Heidenreich, und von ihm, Bernd Schroeder, aneinander, die von einem Papageien, der die Beatles liebt, dem treuen Hund Nurejews, der nach seinem Tod das Tanzen übt und anderweitigen Spinnern und Käuzen berichten.

Im Klappentext wird angedroht, das denen nicht zu helfen ist, die beim Lesen dieser »komischen und traurigen Episoden« des Alltags nicht auf ihre Kosten kommen. Okay, ich gehe in mich, das sei hiermit versprochen, aber eine Hoffnung für das nächste Buch voller praller Lebensnähe will ich trotzdem kundtun: Könnten wir das nächste Mal vielleicht auf diesen Ingvar Kamprad aus Elmtarysd in Agunnaryd verzichten? Und eventuell auch auf die »Liebesgeschichte«: »Mein erster war ein richtiger Herr«? Man weiß ja inzwischen schon beim ersten Satz, dass ein Kater gemeint ist. So lieb die auch sind, man kann ihrer irgendwann auch leicht überdrüssig werden. Miau-mio.

2002 | Hanser Verlag | ISBN 978-3446202139

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