Heide-Ulrike Wendt | Autorin und Journalistin
Heide-Ulrike Wendt
Autorin & Journalistin


»Wir Scheidungskinder«

Töchter und Söhne erzählen vom Verlust der Familie

Von Heide-Ulrike Wendt (Autor)

»Wir Scheidungskinder« von Heide-Ulrike Wendt Für Georg, 26, begann das Drama, als sein Vater vor sechzehn Jahren die Familie verließ, um mit der besten Freundin seiner Mutter zusammenzuleben. Bis zu diesem Zeitpunkt fühlten sich er und seine beiden älteren Schwestern behütet und von allen geliebt. Vor der Trennung hatte er zur Mutter eine innige Beziehung ohne Worte.

Nach der Trennung brauchten sie Worte. Sie wurde härter, wollte ihn zum Mann erziehen. Seinen Vater sah er nur noch selten. Die Frau an seiner Seite hasste er anfangs, weil er die Einsamkeit seiner Mutter spürte: »Ich wünschte mir, dass es ihr gut geht, war immer für sie da. Aber in der Pubertät wollte ich in der Opposition sein, Scheiße sein. Über unsere Probleme reden konnten wir nie.« Das ist bis heute so geblieben. Lauter schwarze Flecken auf der Seele.

Als Pauls Mutter ihrem zwölfjährigen Sohn sagt, dass sie sich scheiden lässt, ist er wütend auf sie und fragt sich: Warum macht sie alles kaputt? Er versucht sie umzustimmen, denn sein Vater weint jeden Tag, will, dass die Familie zusammenbleibt. Als die Situation immer mehr eskaliert, glaubt er, den Konflikt lösen zu müssen, was er nicht kann: »Ich fühlte mich total überfordert. Das hat mich fertig gemacht. Deshalb gehe ich noch heute, mit 26, Auseinandersetzungen lieber aus dem Weg.«

Auch die Abiturientin Sarah, 20, fragt sich nach der Trennung ihrer Eltern besorgt, was passiert, wenn sie eines Tages heiratet und Kinder in die Welt setzt: »Ich wünsche mir keine Scheidung, sondern will, dass meine Kinder einen richtigen Vater und eine richtige Mutter haben. Jeder braucht doch ein Rückzugsgebiet, jemanden, zu dem man unbedingtes Vertrauen hat.«

Der Inhalt
Für viele Scheidungskinder bleibt die Erfahrung der Trennung ihrer Eltern, der Verlust der Nestwärme, der Geborgenheit, ein Trauma fürs Leben. In Deutschland sind es 200 000, die Jahr für Jahr durchleiden und verkraften müssen, dass Vater und Mutter auseinander gehen – Tendenz steigend. Jedes zweite Kind verliert dabei ein Elternteil für immer – zumeist den Vater.
Es gibt in unserem Land bisher nur eine einzige repräsentative Langzeitstudie, die sich mit diesem Thema beschäftigt. Die Familiensoziologin Anneke Napp-Peters aus Hamburg begleitete dafür 150 Scheidungsfamilien über zwölf Jahre und stellte unter anderem fest, dass Jungen anfangs heftiger als Mädchen auf den Zusammenbruch der Familie reagieren. Sie bekommen Probleme in der Schule, werden aggressiv. Die Mädchen dagegen verstecken ihre Gefühle, ihren Schmerz bis nach der Pubertät. Dann erst beginnt für sie die wirkliche Trauerarbeit.

Wir Scheidungskinder mit diesen meist leidvollen Erfahrungen umgehen, ob und wie sie sie verarbeiten, was sie in ihrer eigenen Familie besser machen oder einst besser machen wollen – davon erzählen 22 Töchter und Söhne in diesem Buch.

2003 | Schwarzkopf & Schwarzkopf | ISBN 978-3896024329

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