Heide-Ulrike Wendt | Autorin und Journalistin
Heide-Ulrike Wendt
Autorin & Journalistin


»Die Zensur hat einen gewaltigen Unterhaltungswert«

Mit Peter Ensikat

Aus dem Buch »Frauen lachen anders« von Heide-Ulrike Wendt

Peter Ensikat, Schriftsteller, Regisseur, Schauspieler und Kabarettist, ist für seinen Scharfsinn, Witz und Humor bekannt und war in den 1980iger Jahren der am häufigsten aufgeführte Theater- und Kabarettautor der DDR. 1991 wurde er Gesellschafter, Autor, Regisseur und Darsteller beim Kabarett “Distel” in Berlin. Seine autobiographische Skizzen „Ab jetzt geb’ ich nichts mehr zu. Nachrichten aus den neuen Ostprovinzen” (verlegt bei Kindler) wurden in den neuen Bundesländern zum Bestseller. Und obwohl zwei seiner Buchtitel – „Das Schönste am Gedächtnis sind die Lücken“ oder „Was ich noch vergessen wollte“ - etwas anderes befürchten lassen, kann er sich an den Witz in der DDR sehr gut erinnern.

Für Peter Ensikat war der politische Witz in der DDR das Beste, was das Land zu bieten hatte: „Theater, Kabarett und Bücher hatten die Ersatzaufgabe, die Leute zwischen den Zeilen zu informieren, denn die Medien war zum Jubeln verdammt. Kritik jeder Art war verboten. Und Zensur hat einen gewaltigen Unterhaltungswert, denn wenn die Leute im Publikum wissen, dass der oben auf der Bühne das gar nicht sagen darf, dann hören sie auch Dinge, die er gar nicht gesagt hat. Bei uns im Kabarett genügten schon Anspielungen, und die Leute lachten – auch über sich selbst, die eigene Angepasstheit. Wir hatten dadurch ein ungeheuer intelligentes Publikum - es musste mitdenken.“

Ensikat weiß noch genau, wie überwältigt Dieter Hildebrandt davon war, als er mit Werner Schneider zu tiefsten DDR-Zeiten das erste Mal in Leipzig gastierte.„Hildebrandt brachte es folgendermaßen auf den Punkt: Im Osten sitzen die Leute im Kabarett vorne auf der Stuhlkante, um ja nichts zu verpassen, während die im Westen zurückgelehnt signalisieren: Nun macht uns mal was vor!“

Der einzige Witz, der für Ensikat DDR-Qualität hat – nicht vordergründig komisch, sondern eher bitter -, aber erst nach der Wende entstanden ist, geht so: Was sagt ein arbeitsloser Akademiker zu einem Akademiker, der noch Arbeit hat?

„Eine Currywurst bitte!“

„Inzwischen ist alles oberflächlicher geworden“, sagt Peter Ensikat. Das hat auch damit zu tun, dass wir frei sind bis zur Gleichgültigkeit. Wenn man alles sagen darf, interessiert es keinen mehr.“ …


Lesen Sie jetzt das vollständige Kapitel mit Peter Ensikat in meinem Buch:
»Frauen lachen anders«, mvg Verlag 2007, 144S., brosch., 15,90 Euro.

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