Heide-Ulrike Wendt | Autorin und Journalistin
Heide-Ulrike Wendt
Autorin & Journalistin


»Oh Gott, Frau Kroymann!«

Mit Maren Kroymann

Aus dem Buch »Frauen lachen anders« von Heide-Ulrike Wendt

Die Kabarettistin, Schauspielerin und Sängerin Maren Kroymann hat in ihrem Leben schon vieles erreicht, unter anderem, dass sie als männer- und frauenfeindlich zugleich gilt. Der Grund: Für sie gibt es nicht nur völlig beknackte Kerle, sondern auch saublöde Frauen, dumme Kühe und angepasste Tussen, die sie für ihre Sketche bevorzugt auswählt.

Ihre Karriere startet sie 1982 in Berlin mit satirischen Liedern. „Auf du und du mit dem Stöckelschuh“ heißt ihr Programm, in dem sie die Piefigkeit der 1950er Jahre feministisch, gnadenlos, aber immer mit Humor auf die Schippe nimmt. Der Saal tobt, wo immer sie auftritt, und sie weiß:„Ich bin hier richtig.“

Der Bühnenkarriere folgt die Fernsehkarriere, für die sie sich ihren feministischen Blick bewahrt. In „Oh Gott, Herr Pfarrer” spielt sie eine taffe Pfarrfrau, in „Vera Wesskamp“ eine noch taffere Reederswitwe. 1993 bekommt sie mit der legendären „Nachtschwester Kroymann“ als erste Frau eine eigene Satire-Serie im Deutschen Fernsehen. Im gleichen Jahr outet sie sich als Lesbierin im „Stern“ und muss danach eine Weile auf große Rollen im TV warten. Als „Mascha aus der Maske“ vor der Sendung „III nach 9“ oder im „Nachschlag“ nach den Tagesthemen bringt sie die Leute allerdings weiter zum Lachen. Pünktlich zur Jahrtausendwende erhält sie am 8. März 2000 den Berliner Frauenpreis für ihr ›Werk als Kabarettistin und Schauspielerin und ganz besonders für ihr mutiges und wegweisendes feministisches Kabarett‹ und geht mit „Gebrauchten Liedern“ auf Tour.

Seit 2001 feiert Maren Kroymann mit der RTL-Serie „Mein Leben und ich“ wieder große Erfolge, genauso wie mit ihrer ersten Kino-Hauptrolle. Unter der Regie von Angelina Maccarone spielt sie in „Verfolgt“ die Bewährungshelferin Elsa, deren Leben durch die obsessive Sado-Maso-Beziehung zu einem 17-jährigen Schützling aus den Fugen gerät. Vor der Weltpremiere auf dem 59. Filmfestival in Locarno prophezeite Maren Kroymann: „Es wird ein exponierter Film sein, und er wird uns sicher um die Ohren gehauen. Aber er ist mutig.“

Nach seiner Weltpremiere wird „Verfolgt“ mit dem Goldenen Leoparden in der Reihe Cinéastes du Présent ausgezeichnet.

Gut, dass Maren Kroymann auch mutig ist.

Waren Sie das immer schon - mutig?

Es fällt mir am leichtesten, wenn ich mich geärgert habe. Ich erinnere mich an ein Treffen - es war nach meiner ersten Hauptrolle in „Oh Gott, Herr Pfarrer“ - da saß ich als einzige Frau mit Regisseuren und Produzenten an einem Tisch, und die unterhielten sich vor dem offiziellen Gesprächsbeginn darüber, wie toll doch älterer Mann mit jüngerer Frau ist, und schilderten sich gegenseitig die Vorzüge so einer Beziehung. Irgendwann warf ich ein, dass ich das auch toll fände mit nem jüngeren Mann: „Es muss ja nicht der Hellste sein, aber so ein schöner Körper…“

Die erstarrten, fühlten sich von mir angegriffen, und so war es ja auch, denn ich wollte ihnen natürlich sagen: Spinnt ihr? Ihr unterhaltet euch über die Vorzüge junger Frauen in Gegenwart einer nicht mehr ganz so jungen Frau, und meint, ihr könnt völlig ungehemmt eure Witze machen.

Sie waren not amused und ich bekam die Rolle nicht. Das war nicht schön, aber wenn man von Arschlöchern umgeben ist, muss man einen Witz machen, um sich selbst zu retten und zu sehen, wo die anderen stehen. In diesem Fall nicht auf meiner Seite.

Da erwies sich Ihr viel gerühmter Humor also als kontraproduktiv.

Wenn ich Humor nur benutze, um voranzukommen, geht das Wesentliche am Humor verloren, nämlich dass er zu mir gehört und mich souverän macht. Im Gespräch mit Leuten, die wichtig für einen sein können, zum Beispiel Produzenten oder Programmdirektoren, finde ich es immer gut, die eigene Frechheit zu behalten, denn das stärkt mich als Person und ich muss nicht taktieren im Sinne von: Was kann ich jetzt bloß sagen, damit die lachen? Wenn ich meinen Humor behalte und die Situation vielleicht sogar ironisiere, dann signalisiere ich meinem Gegenüber: Ich bin eine authentische Person, die man ernst nehmen sollte.

Mit dieser Haltung habe ich mir Sachen - siehe oben! - auch verscherzt, aber wichtiger war mir, unversehrt aus dem Gespräch hervorzugehen und mir innerlich sagen zu können: So, jetzt hast du dich wenigstens nicht eingeschleimt, sondern bist dir treu geblieben, hast gezeigt, wer du bist. Dabei zeigt sich auch, ob mein Gegenüber humorvoll ist und lachen kann und als potenzieller Chef für mich überhaupt infrage kommt. (Lacht).

Woher haben Sie denn Ihren Humor?

Meine Eltern besaßen sehr viel davon, meine Mutter konnte richtig komisch sein. Wenn die einen aus unserer Familie oder Freunde, Nachbarn und Bekannte parodierte oder deren Dialekte nachmachte, beömmelte sich mein Vater jedes Mal über sie. Der satirische Blick, das qualifizierte Lästern, hat ja nichts Böses oder Gemeines, sondern ist eine amüsante Form der Meinungsbildung. Tucholsky und Kästner wurden von meinen Eltern geliebt und geschätzt. Wir lebten in Tübingen in Schwaben, meine Eltern kamen aber aus Berlin und hörten im Radio regelmäßig die „Insulaner“ *. Die Leute, die dieses wirklich großartige Kabarett machten, waren Leitfiguren, die ich von meinen Eltern übernahm. Auch den Sprachwitz der „Comedian Harmonists“ liebte ich schon als Kind, wenn sie die „ schöne Isabella von Kastilien, pack deine ganzen Utensilien“ oder „ Der Onkel Bumba aus Kolumba tanzt nur Rumba” sangen. …


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»Frauen lachen anders«, mvg Verlag 2007, 144S., brosch., 15,90 Euro.

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