Heide-Ulrike Wendt | Autorin und Journalistin
Heide-Ulrike Wendt
Autorin & Journalistin


»Sterben ist Scheiße«

Aus dem Buch »Frauen lachen anders« von Heide-Ulrike Wendt

In der Nacht vom 15. auf den 16. Februar 2007 konnte ich nicht schlafen, obwohl ich zu dieser Zeit eigentlich ein sehr humorvolles Leben führte - ich schrieb gerade an dem Buch, das Sie gerade in den Händen halten. Kurz nach zwei Uhr aber fand ich es gar nicht mehr witzig, Schäfchen im sechsstelligen Bereich zu zählen. Bei Schaf 297 698, es war ein schwarzes, stand ich deshalb auf, kochte mir einen ganzheitlichen Beruhigungstee, zappte mich auf der Couch im Wohnzimmer durch alle Sender und entdeckte dabei COMEDY CENTRAL, den ersten deutschen Comedykanal im Free-TV - exakt dort, wo normalerweise Eurosport läuft.

Ich war hellwach, denn auf dem Bildschirm tummelten sich keine Fußballer, Rennfahrer oder Tennis-Champions, sondern die „Trailer Park Boys“. Das sind Jungs mit dicken Oberarmen in Muscleshirts und „dicken Eiern“ in der Hose.Trailerparks sind Wohnwagensiedlungen, also die besseren Favelas Nordamerikas, vor allem für den White-Trash. Und genau dort spielt die kanadische Serie, in die ich mich hineinzappte. Ihre Helden sind meist ehemalige Knackis, und das Einzige, was sie liebevoll hegen und pflegen, sind ihre Cannabispflanzen. Ihr Anführer heißt Ricky und sagt am liebsten “Fuck off!”, “What in the fuck!”, “For fuck’s sake!” und “Go fuck yourself!” - aber nicht, weil er verschärft auf Krawall frisiert ist, sondern weil er keine anderen Wörter kennt.

Als Ricky (in der dritten Staffel) eine Aussage vor Gericht machen soll, will er jeden Satz mit “Sh…” und “F…” beginnen, und als die Richterin begreift, dass er anders gar nicht reden kann, erteilt sie ihm die Erlaubnis zum Fluchen.

Nach den Trailerboys kam Chappelle’s Show, die der amerikanische Comedian und Schauspieler Dave Chappelle moderiert. Er spielt auch in den meisten Sketchen mit. In einem ist ein todschickes Loft mit etwa zwanzig todschicken Schwarzen, junge Damen und Herren, zu sehen, die wiederum gerade dabei zusehen, wie der einzige Weiße im Loft mit einem Messer im Bauch an einer Säule abwärts rutscht. Er blutet dabei ziemlich stark und ächzt sinngemäß: Sterben ist Scheiße,vor allem, wenn man gar nicht weiß, warum!“

Das ist zwar nicht wirklich witzig, aber nachvollziehbar.

Nach Chappelle’s Show, die sich, wie Insider natürlich wissen, auf ganz eigene Art und Weise über die Beziehung Schwarzer zu Weißen oder Präsident Georg Dabbelju Bush her macht, kommen zwei langbeinige, bildschöne Frauen im angeregten Gespräch die Straße entlang. Eine von ihnen fühlt sich durch eine Saxophonspielerin gestört, die in unmittelbarer Nähe irgendwas Rauchiges auf ihrem Instrument bläst. Sie geht deshalb zurück, haut der Saxophonspielerin eins in die Fresse, und unterhält sich danach angeregt weiter mit ihrer Freundin.

Und ich fragte mich morgens um halb fünf: “What in the fuck” soll das denn?

Findet das hier irgendjemand lustig?

Anke Greifeneder, die 34jährige Channel & Brand Managerin* von COMEDY CENTRAL, dem ersten deutschen Comedykanal im Free-TV, sagt: „Ja. Jungs! Und Männer! “

Jungs und Männer zwischen 14 und 49 lachen über so was – das ist statistisch erwiesen. Und sitzen am liebsten ab 19 Uhr vor der Kiste und halten es dort gut und gern bis weit nach Mitternacht aus. In den USA sendet COMEDY CENTRAL als einziger reiner Comedy-Kanal bereits seit 1991 und ist in der Prime Time der beliebteste Kanal bei jungen Männern, erreicht dort mehr als 85 Millionen Haushalte. Bei uns sind es im Moment etwa 32 Millionen.

Die „Trailer Park Boys“ sind in Kanada Kult (”This show IS Canada”, O-Ton des Skid-Row-Sängers Sebastian Bach), und 70 Prozent der Zuschauer Jungs und Männer. Normalerweise liegt die Quote bei 50/50 oder 55/45 (Männer/Frauen). Deshalb läuft die Serie beim noch jungen Sender COMEDY CENTRAL (Sendestart war der 15. Januar 2007) in der Late Primetime, der so genannten Comedy Prime Time ab 22 Uhr 15, um dieses Publikum gezielt glücklich zu machen. Anke Greifeneder: „ Frauen schauen mehr tagsüber fern, so zwischen sechs Uhr früh und 20 Uhr, deshalb senden wir in dieser Zeit eher weiblich konzeptionierte Sitcoms wie >Twins<, >Love Inc< oder >Blessed<. “

Frauen, die an sich schon empathischer als Männer sind, mögen, vor allem ab 35, keine groben Witze, schon gar nicht solche, die sich gegen Schwächere richten. ...


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»Frauen lachen anders«, mvg Verlag 2007, 144S., brosch., 15,90 Euro.

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