Heide-Ulrike Wendt | Autorin und Journalistin
Heide-Ulrike Wendt
Autorin & Journalistin


Neue Zellen für das lädierte Kniegelenk

Ein Biotech-Unternehmen in Brandenburg versucht, auf kommerzieller Basis frischen Knorpel zu züchten. Die Krankenkassen sind noch sehr zurückhaltend.

Von Heide-Ulrike Wendt | 1999

Ein Sturz beim Skifahren brachte die Berliner Tennislehrerin Monika Bergmann beinahe um ihren Beruf: Ein Stück Gelenkknorpel im Knie war zerstört, sie hatte nahezu unerträgliche Schmerzen.

Doch Bergmanns Orthopäde resignierte nicht, sondern entnahm seiner Patientin ein wenig mehr von dem Gewebe und schickte es gemeinsam mit einer Blutprobe an die co.don GmbH im brandenburgischen Teltow.

Die Biotech-Firma versucht seit sechs Jahren, ein Konzept des so genannten Tissue Engineering, den Gewebeersatz durch körpereigene, im Labor vermehrte Zellen, in die Praxis umzusetzen. Ihre Konkurrenz sitzt in den USA. In Teltow funktioniert das Vorhaben bislang hauptsächlich bei Knorpelschäden im Großzeh-, Sprung- oder Kniegelenk – recht häufige Folgen von Sportunfällen. Allerdings darf der Defekt nicht größer sein als ein Fünfmarkstück.

Zwei bis drei Wochen brauchen die Zellen im Labor, um sich auf das Zwanzigfache zu vermehren und sich zu einem ausreichend belastbaren Knorpel zu entwickeln. Danach muss alles sehr schnell gehen, das Transplantat binnen Stunden beim Operateur sein. Der injiziert die Knorpelzellen in die speziell vorbereitete Schadstelle. In ihrer natürlichen Umgebung bilden die Zellen neues Gewebe, das den Defekt vollständig wieder auffüllt. Der stationäre Aufenthalt dauert meist nur wenige Tage, die Nachbehandlung acht Wochen.

320 Patienten erhielten bis heute Zelltransplantate aus Teltow. Der Arzt Karl-Gerd Fritsch, Mitgründer der co.don, beziffert die Erfolgsquote auf 90 Prozent. Monika Bergmann stand drei Monate nach dem Eingriff wieder auf dem Tennisplatz.

Die Kosten von bis zu 30 000 Mark schießt die Firma vor. Fritsch: „Und dann gehen wir in zähe Verhandlungen mit der jeweiligen Krankenkasse und versuchen sie davon zu überzeugen, dass unser Weg im Vergleich zu Spritzenkuren und weiteren Operationen der billigere ist.“




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